der Hintergrund

Essstörungen sind nach wie vor ein Produkt unserer Gesellschaft, der Werbung und Medien. Im Einzelfall benötigt es ein für die betroffene Person konfliktreiches familiäres/soziales Umfeld und eine entsprechend sensible Persönlichkeit, welche einen zusätzlichen Nährboden für Essstörungen bietet. Verallgemeinerungen sind ungenau, dennoch möchte ich einige Merkmale nennen, die in unterschiedlichen Ausprägungen bei vielen Familien mit Essstörungen zu finden sind:

1) Ein Leistungsdruck bzw. hoher Anspruch an die betroffene Person ist sehr häufig anzutreffen. Das kann z.B. die Schule betreffen, das Aussehen, sportliche Leistungen, ein besonders freundliches angepasstes Wesen, das nicht „stört“.

2) Oft handelt es sich um Familien mit Harmoniesucht, einer Scheinwelt mit der Aufgabe, nach innen (innerhalb der Familie) oder nach außen (Gesellschaft) perfekt zu wirken. Das bedeutet, dass starke Gefühle wie Ärger und Wut nicht frei ausgedrückt werden dürfen, bzw. dass diese Gefühle verleugnet werden.

3) Ein weiteres Merkmal ist der Missbrauch, dieser kann emotional (z.B. Kind muss für die Mutter/den Vater da sein), körperlich oder sexuell (z.B. schlagen, einsperren, sexuell geleitete Berührungen), oder auch spirituell (z.B. lustig machen über Glauben und Fantasien des Kindes) sein.

4) Nahezu immer ist ein fehlendes/mangelndes Wahrnehmen der Bedürfnisse des Kindes vorhanden. Dies liegt dann vor, wenn die Betreuungsperson von ihren eigenen (wahren) Bedürfnissen so weit abgeschnitten ist, dass selbst bei bestem Bemühen („ich wollte nur dein Bestes“) eben diese nicht wahrgenommen werden können.

5) Als letztes Merkmal möchte ich Essstörungen in der Familie von betroffenen Menschen nennen (z.B. ständiges besorgt sein um Gewicht, ständiges beschäftigen mit Essen und Diät).

Die Pubertät ist häufig der Zeitpunkt, wo Essstörungen erstmals ausbrechen, da der Druck, dazu zu gehören, zu entsprechen und die parallele Abnabelung von zu Hause zu einer enormen Belastung werden kann. Neben äußeren Faktoren (Gesellschaft, Schule, Familie) gibt es auch innere Faktoren, die die Entwicklung von Essstörungen begünstigen. Diese können besondere Empfindsamkeiten, Verletzlichkeiten und feine Wahrnehmungsfähigkeiten sein, die von Person zu Person unterschiedlich sind. Diese angeborenen Eigenschaften sind eigentlich Fähigkeiten, die in unserer Welt, die eher von Konkurrenz und Macht geleitet ist, aber leider nicht belohnt werden.

Der Hintergrund ist für die Betroffenen deshalb wichtig, weil er für das Verständnis der Erkrankung eine Bedeutung hat und eigene Schuldgefühle reduziert und nicht, weil ein Schuldiger oder Schuldige gefunden werden sollen!